Danke, Schirrmacher! (2011)

R.I.P. Frank Schirrmacher
Zwei Konservative, die sich öffentlich am Kopf kratzen:

Frank Schirrmacher und Charles Moore.

http://www.telegraph.co.uk/news/politics/8655106/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html

Frank Schirrmacher ist so etwas wie Helmut Schmidt damals bei der SPD. Redlich, kompetent, logisch auch gegen sich selbst, aber beim falschen Verein. Nun, wer die FAZ verfolgt, erkennt schon einige Veränderungen hin zu vernünftigeren Einstellungen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber. Spät, aber das Leben geht auch nach dem Reset weiter.

Uns wurde der Neoliberalismus gepredigt, wir haben ihn gelebt, geatmet und gepriesen. Jetzt kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Notenbanken, die Verträge, bestehendes Recht, ungestraft brechen, Urkundenfälschung in Griechenland mit Hilfe von Goldman Sachs (keiner hat’s bemerkt), Stabilitätspakt pulverisiert, EU-Recht wird von Regierungen gebrochen (Schuldenübernahmeverbot Maastricht), Recht wird geschaffen ohne Zustimmung der Wahlberechtigen (Lissabon) und wer hat eigentlich entschieden, Banken zu retten, die sich mit CDS, CDO etc. verspekuliert haben?

Ja, Herr Schirrmacher, das Spiel läuft schon länger als 2008, aber jetzt kommt’s halt raus. Die Währungsreform ist wahrscheinlich im Kapitalismus unvermeidlich, das Gegenteil ist zumindest schwer zu beweisen, speziell was Prognosen angeht, weil diese bekanntlich die Zukunft betreffen.  Daraus abzuleiten, dass das System dysfunktional ist, wäre aber aus der Hüfte geschossen.

Realgüter bleiben Realgüter. Und die, die nur Arbeitnehmer sind und keine haben – selbst schuld. Müssen dann halt Bewerbungen schreiben, die Löhne, ja, die Löhne werden sinken müssen. Die Ländereien und Goldreserven werden jedenfalls nicht liquidiert, auch nicht, wenn sie mit öffentlichen Steuerzahlerrettungsbillionen finanziert wurden.

Es muss nicht gleich Rom brennen oder London. Es wäre schon ein guter Anfang, wenn die FDP bei der Rettungsschirmabstimmung im September diese Koalition hochgehen ließe. Ich würde sie dann sofort wählen.

Die Krankenkassen haben gerade 150.000 Pfändungen wegen nicht gezahlter Zusatzbeiträge angeleiert. Was wäre eigentlich, wenn Karl Steuerzahler, genau wie seine Regierungen und die Finanzjongleure,  einfach keine Steuern mehr zahlen würde bis dieses Durcheinander wieder aufgeräumt ist? Dumm nur, dass da die Arbeitgeber mitspielen müssen, die das Geld ja abführen.

Ach, alles Träumerei. Es kommt sowieso anders. Währungsreform, Aufwertung der D-Mark, Export bricht zusammen, Pleiten, 10 Mio. Arbeitslose. Da wird es eh weniger mit den Steuern. Vielleicht findet die Dannregierung ja einen Finanztrick mit einer Investmentbank, wie man das Regierungsviertel militärisch uneinnehmbar machen kann. Bis dahin haben wir die Finanz- und Machthydra (s. Dirk Müller: Crashkurs: Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? – Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen) infiltriert.

Und sind selbst zu Arschlöchern geworden.

Ich würde dann gerne mit Frank und Charles eine Tasse Tee trinken.