Splinternet (2010)

“Ich kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier.” (Nina Hagen “TV Glotzer”, ein Cover der legendären Tubes-Nummer “White Punks on Dope”).

Der Frau kann heute geholfen werden, von Google. Die haben gerade das verhassteste MS-Office-Feature im Web eingeführt, Autovervollständigung. Wobei es eher das Gegenteil ist, Autobegrenzung.

Und Eric Schmidt denkt sich, dass die Leute keine Suche mehr wollen, sondern dass man ihnen Entscheidungen abnehmen solle. Nun, Wissen an Computer auszulagern mag ja noch gehen, aber Verstand?

Es gibt Wissenschaftler, die träumen schon seit 30 Jahren von AI, Artificial Intelligence. Im wesentlichen sind bis jetzt fussballspielende Roboter, die schwerlich in der Kreisliga Karriere machen könnten und Numbercruncher herausgekommen, die nicht einmal zuverlässig das Wetter vorhersagen können.
Bei Google liegt der Fall anders. Es gibt schon eine Generation, die kaum noch etwas ohne Google weiss, geschweige denn Zusammenhänge herstellen kann. Da es bei Google nur um Kohle geht, ist davon auszugehen, dass die Entscheidungshilfen immer nur merkantilen Hintergrund haben werden. “Wo bekomme ich jetzt eine Pizza mit extra viel Cheese her?” wird wohl öfter gefragt werden als “Wie prägen Religionen Kulturen?”, Welche Formen von Wirtschaftssystemen haben welche Vor- und Nachteile?”, “Gibt es eine Verbindung zwischen der Verarmung Ostdeutschlands und der Kohl-Regierung?” . Egal, diese Fragen machen eh nicht satt.

Google will Splittergruppen, höchstmöglich identifizierbar, damit die Werbetreibenden viel Geld für deren Ansprache ausgeben. Das Angebot an Waren und Dienstleistungen wird Google bestimmen. Google wird Die Gelben Seiten sein, mit dem Unterschied, dass Google für Sie die Seite aufschlägt, weltweit.

Was mich allerdings enttäuscht, ist, dass sie immer noch nicht ihre galaktischen Expansionspläne publik gemacht haben. Egal, ist auch bloß ein Feature.