Urheberrecht I (2011)

Ich habe mich viel über die “Contentindustrie” und die Piraten, besonders aber über anonymous und die Google-Lobby geärgert, aber auch gewundert.

Lasst uns gemeinsam und konstruktiv an einer Lösung schnitzen, die:

1. Den Urheber und seine Leistung schützt, würdigt und angemessen entlohnt.
2. International verbindlich und durchsetzbar ist. Spielregeln, die gemeinsam vereinbart werden.
3. Keine Bürgerrechte beschneidet.
4. Die Freiheit des Internets sicherstellt.

Der ganze Gut-und-Böse-Mist langweilt mich. Warum die Diskussionen endlos sind, ist leicht zu erklären. Die Interessen sind nicht konvergent, um es vornehm auszudrücken. Aber dafür gibt es ja einen politischen Willensbildungsprozess. Demonstrationen, Debatten, Abstimmungen, Gesetze. Nur den Hinterzimmerlobbyismus brauchen wir wirklich nicht dazu.

Auch nicht uninteressant wie Herr Beckedahl bei der Konkretisierung der Bedrohung ins Stammeln kommt. Ich halte die Arbeit, die er in den vergangenen Jahren gemacht hat für sehr wichtig und wertvoll. Vieles davon hätte in den Parlamenten stattfinden müssen. Die jüngsten Entwicklungen deuten allerdings darauf hin, dass Organisationen wie digiges, D64 und irights zu Lobbyorganisationen von Google werden, die genau das tun, was Herr Beckedahl anprangert, nämlich intransparent und im Verborgenen Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, die der Politik vorbehalten sein sollten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Googles co://aboratory, Fördergelddiskussionen und die Enquetekommission.

Dass die verschiedenen Gruppierungen der Kostenloskultur (ich hasse diesen Begriff, aber er beschreibt vermutlich die wahren Motive, die im übrigen vor allem den großen Infrastrukturbetreibern nützen – vom Regen in die Traufe…)
es schaffen, Massen zu mobilisieren und zwar durch Desinformation, finde ich äusserst bedenklich. Desinformation und Herdentrieb haben in unserem Land eine sehr tragische Geschichte.

Empörung verläuft in Wellen, die Wellenlängen nehmen weiterhin ab. Ein Nahrungsmittelskandal zur Ablenkung wäre doch ein Job für mittellose Journalisten .

Zu den o.g. 4 Zielen: Die stammen nicht von mir, ich habe sie nur aus einem langen Meinungsbildungsprozess herausdestilliert. Es geht hier um die Abwägung von Rechtsgütern, der BWLer würde von konfliktierenden Zielen sprechen. Man kann nicht von allem 100 % gleichzeitig erreichen. Das sind Aufgaben, die in der BWL mit Operations Research gelöst werden, mathematischen Methoden, die nach Optimalergebnissen fahnden. Ausserdem ist einiges von dem, was zur Debatte steht, weder prognostizierbar noch quantifizierbar.
An dieser Stelle kommen bei Unternehmen neben den nackten Zahlen immer auch quasimoralische Punkte (mission statements etc.) ins Spiel und oft auch mehr oder weniger willkürliche Führungsentscheidungen. Bei Frau Merkel ist nur damit zu rechnen, dass sie das Thema solange liegen lässt bis die Realität irgendein Ergebnis produziert hat.

Die absurde Situation beim Urheberrecht ist aber, dass niemand eine Gesamtverantwortung hat oder sieht, alle Interessengruppen unvereinbare Ziele vortragen, keine Kompromisse wollen und kein Entscheidungsdruck herrscht.

Die Frage aller Fragen bleibt auch unbeantwortet:

Wie verdiene ich mit meiner Leistung Geld im Internet?
Oder gehe ich lieber zu Schlecker arbeiten? Oder soll ich mich aufhängen?

Verlage werden noch eine Weile zappeln und es wäre gut, zu Lösungen zu kommen, bevor sie ausgezappelt haben. Das würde uns nämlich eine Kulturlandschaft erhalten, die ich sehr schätze. Gilt genauso für alle anderen Kreativen.

Das geschraubte Gequassel hier und da zeigt nur, dass sehr wenige der Kritiker schon einmal im kreativen Bereich wirklich gearbeitet haben und Einkünfte erzielen mussten. Da ist mir dann auch die Meinung der AS PR Abteilung Jacke.

Sie drehen sich solange im Kreis bis Sie eine Lösung der leistungsgerechten Bezahlung aller Produktiven haben. Dann werden auch die Verleger alles digital machen. Dann brauchen wir sie aber nicht mehr. Deswegen wollen sie etwas anderes – was sie aber nicht bekommen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die meisten längst umorientiert haben und anderweitige Investments eingegangen sind.

Leid tut es mir um die wirklichen Leistungserbringer, Journalisten, Grafiker, Fotografen, Musiker etc.. Die mussten sich schon bedeutend früher etwas anderes suchen, sehr zum Nachteil der Kultur und der Konsumenten, auch wenn das gerne anders dargestellt wird.

Das “Entbündeln” ist Theorie. Es geht ums nackte Überleben und zunächst werden noch die Lieferanten (i.e. Journalisten, Musiker etc.) ausgequetscht, dann will man noch Stütze vom Staat und dann wird der Laden zugemacht. Ich sehe die Dinge aus der Urheberperspektive und vieles ist bereits den Bach heruntergegangen, Musik, Journalismus und jetzt Bücher und Filme. Die Verwerter bekommen viel zu viel Raum in der Debatte. Sie werden in den meisten Fällen in Zukunft nicht mehr gebraucht, oder wenn, dann nur, wenn sie wirklich einen Mehrwert beisteuern.

Mein genereller Ansatz ist darüber nachzudenken, wie man das Publikum wieder mit dem Urheber versöhnen kann, so dass es die Leistung wieder angemessen honoriert. Z. Zt. kellnern viele von denen, aber ich bin ein hoffnungsloser Optimist und denke, dass es Möglichkeiten gibt in Zukunft, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Ich mache 3 Kreuze, wenn die nichtmehrwertstiftenden Ebenen in der Verwertung weg sind. Aber das allerwichtigste ist dabei, dass nicht dauernd selbstberufene Experten sagen, dass “alles kostenlos” sein müsse, das “Produkt keine Nachfrage” habe, wenn etwas einmal im Netz sei “es anderswo keinen Wert mehr habe” etc. . Das alles ist erkennbarer Quark von interessierter Seite.

Falsche Frage. Die Frage muss lauten: “Warum wird der Journalist/Fotograf nicht mehr oder nicht ausreichend bezahlt?”
oder
“Warum sind die Leute, die das lesen, nicht mehr bereit für deren Leistung zu bezahlen?”

Mit den Verlegern habe ich wenig Mitleid, die hatten Zeit genug. Das ist jetzt deren Napster/iTunes Moment.

Würden sich die Beteiligten, alle Beteiligten wohlgemerkt, an kaufmännischen Grundsätzen orientieren, gäbe es viele Mitspieler, die nur den Verkehr aufhalten, jetzt schon nicht mehr.

Das ständige Preisdrücken, “Kostenlosvermarkten” gäbe es nicht.

Wie können wir den Untergang beschleunigen und die wertvolle Kultur bewahren, die dann auch bezahlt wird?

Solange es keine funktionierenden Zahlungsströme gibt, gehen Verlage, Labels etc. unweigerlich pleite. Gleichzeitig muss die Kassenhäuschenstruktur für “danach” installiert werden.

Splinternet (2010)

“Ich kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier.” (Nina Hagen “TV Glotzer”, ein Cover der legendären Tubes-Nummer “White Punks on Dope”).

Der Frau kann heute geholfen werden, von Google. Die haben gerade das verhassteste MS-Office-Feature im Web eingeführt, Autovervollständigung. Wobei es eher das Gegenteil ist, Autobegrenzung.

Und Eric Schmidt denkt sich, dass die Leute keine Suche mehr wollen, sondern dass man ihnen Entscheidungen abnehmen solle. Nun, Wissen an Computer auszulagern mag ja noch gehen, aber Verstand?

Es gibt Wissenschaftler, die träumen schon seit 30 Jahren von AI, Artificial Intelligence. Im wesentlichen sind bis jetzt fussballspielende Roboter, die schwerlich in der Kreisliga Karriere machen könnten und Numbercruncher herausgekommen, die nicht einmal zuverlässig das Wetter vorhersagen können.
Bei Google liegt der Fall anders. Es gibt schon eine Generation, die kaum noch etwas ohne Google weiss, geschweige denn Zusammenhänge herstellen kann. Da es bei Google nur um Kohle geht, ist davon auszugehen, dass die Entscheidungshilfen immer nur merkantilen Hintergrund haben werden. “Wo bekomme ich jetzt eine Pizza mit extra viel Cheese her?” wird wohl öfter gefragt werden als “Wie prägen Religionen Kulturen?”, Welche Formen von Wirtschaftssystemen haben welche Vor- und Nachteile?”, “Gibt es eine Verbindung zwischen der Verarmung Ostdeutschlands und der Kohl-Regierung?” . Egal, diese Fragen machen eh nicht satt.

Google will Splittergruppen, höchstmöglich identifizierbar, damit die Werbetreibenden viel Geld für deren Ansprache ausgeben. Das Angebot an Waren und Dienstleistungen wird Google bestimmen. Google wird Die Gelben Seiten sein, mit dem Unterschied, dass Google für Sie die Seite aufschlägt, weltweit.

Was mich allerdings enttäuscht, ist, dass sie immer noch nicht ihre galaktischen Expansionspläne publik gemacht haben. Egal, ist auch bloß ein Feature.

Nachruf (2009)

Ein kurzes aber erfülltes Leben, voller Glanz und Glamour, meistens entlang der Schienen der Achterbahn des Erfolges, selten entgleist, soviel Naivität, Größenwahn und Durchtriebenheit, verlogene Euphorie und Milliarden, die es galt umzubuchen, von deren Konto auf das der anderen mit bunten Bildchen, dünnen Parolen und völlig enthirnten Botschaften auf allen Kanälen.

Wetten, dass? Nein, die Rede ist vom Marketing. Jener Disziplin, die nie welche hatte, die immer nur an der Oberfläche kratzte und sich nur durch immer neue Begrifflichkeiten der Entlarvung solange entziehen konnte bis die Illusionsblase platzte.

Jetzt sterben die Tageszeitungen, die Programme in Funk und Fernsehen sind so dünn, dass man sie kaum noch von der Werbung unterscheiden kann. Dann sterben die Magazine, die Agenturen, die Berater, die Marketingabteilungen.

Vielleicht ist das gar nicht mal schlecht. Dann könnte man sich wieder damit beschäftigen, welche Produkte und Dienstleistungen man für welchen konkreten Bedarf entwickeln und verkaufen könnte.

Neulich beim Frisör: “Ihr Haar ist unsere Leidenschaft” sprang es mich vom Flyer an. Als Heterosexueller, der schon mal mit einer Frau unter einem Dach lebte, hat mich dieser Satz erschüttert. Männer haben, zumindest bis in ein bestimmtes Alter, deutlich mehr Haare als Frauen. Und deswegen auch deutlich mehr zu verlieren. Ebenso wie ihre naturgegebene gute Laune. “Da sind schon wieder Haare im Waschbecken!!!” Respektive in der Dusche oder der Badewanne. “Ja, Schnucki, soll ich mich jetzt auf dem Balkon rasieren oder aufhören zu duschen?” Schwer begreiflich, dass sich Frauen beim körperlichen Kontakt nicht gegen Haare schützen. Sei’s drum.

Bei diesem, wie bei den meisten andern Frisören, arbeiten meistens Frauen oder nichtheterosexuelle Männer. Die wollen mir erzählen, sie hätten eine “Leidenschaft für Haare”? Und morgen kommt der Weihnachtsmann. Eine Erfindung von Ogilvy & Mather, wie sich noch herausstellen wird.

Derek Sivers about Apple and Steve Jobs

On his blog about cooperating with Apple. From the archive but still holds true.

https://sivers.org/itunes

This guy is a saint in the music world, founder of CD Baby . One who really loves music, a trained circus clown and musician himself.

As opposed to a guy with an inflated ego, nothing he created by himself, a boring outfit and a kind of hypnotic aura. Who wasn’t in it for the music at all. Yes, he made all the right moves but he has never won me over as a fan.

I wish all these Apple fanboys and -girls would notice that this was never the sympathetic guy from next door but just another coldblooded businessman. To be in business with Apple, should you have the chance, would be closer to slavery, the kind Lincoln fought.

When will people understand not to follow when everybody else follows? When will they understand that monopolies, proprietary systems, cartels, oligopolies, tribe marketing,  outsourcing manufacturing to sweatshops etc. don’t help to make this world a better place. It only helps to fill someone’s pockets.

Diversity and entrepreneurship, small companies and fresh approaches is what we need.

Not another reckless IT giant.

Die Welt wird immer komplizierter, aber keinen interessiert’s (2011)

Was wirklich zählt:

Heute bei Spiegel online:
1. Qaida-Führer
US-Truppen sollen Pornos in Bin-Laden-Versteck gefunden haben

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762505,00.html

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2. Schwarz-Gelb

Mehrheit für Euro-Rettungsschirm wackelt

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,762518,00.html

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Ob der alte Osama Pornos geguckt hat oder nicht, ist von untergeordneter Bedeutung. Ausserdem ist er tot, falls es jemand noch nicht mitbekommen hat.

Ob unsere gewählten Vertreter für oder gegen den Eurorettungsschirm stimmen werden, ist von immenser Bedeutung für Frieden, Freiheit und Wohlstand in ganz Europa.  Das ist leicht zu verstehen, obwohl Schäuble, Merkel, Banken und Konsorten in demokratieschädigender Weise geheimniskrämerisch Gelder verteilen, die ihnen nicht gehören. Wo ist eigentlich die Presse, wenn man sie braucht?
Etwa hier: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,761088,00.html  ?

Es war den Damen und Herren nur ein paar dürre Meldungen wert, dass sich Deutschlands Staatsverschuldung um mehr als 200 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erhöht hat. Und sich merkwürdigerweise dafür niemand verantworten muss. Für wie doof halten die uns?

Im SoFFin werden unter höchster Geheimhaltung insolvente Banken sterbebegleitet und die Hospizrechnung geht an den Steuerzahler. Niemand muss öffentlich Rechenschaft ablegen über das ausgegebene Geld, die Vergabekriterien, die Planung, die Refinanzierung.

Wisst Ihr was, Ihr Verbrecher? Wenn es gar nicht anders geht, wird das Volk wieder sagen, dass es das Volk ist und Ihr seid dann abgemeldet. Es bleibt zu hoffen, dass das unblutig und ohne Radikalisierung abgeht. Dann bauen wir das friedlich und menschenwürdig wieder neu auf, was von diesem Land noch geblieben ist. Oder besser noch, wir machen das gleich für ganz Europa. Die Banken sind uns dabei reichlich egal, da werden einige pleite gehen.

Na und? Die Staatsschulden sind ohnehin nicht mehr rückzahlbar. Das gilt wiederum weltweit.

Manifesto of the Confused (2011)

This is going to be one of the foremost intellectual manifestos only paralleled by other masters of absurdity like Monty Python, any religious leader, some great figures of human history and not to forget Mickey Mouse.

You are not really interested in me as I am not really interested in you. Otherwise I would write about your likes, dislikes, suffering or what makes you happy. Right?

Which leads to the next dilemma. We always tend to believe that right is right, very much depending on our upbringing, parents, school, friends, boss, whatever. But the truth is (whatever truth is…) that everything implies its opposite. Good implies bad, right implies wrong. One cannot be without the other. And, good people as we want to be (our upbringing, christian, jewish, muslim, hindu, buddhist you name it…) we try to be on the right side always which is embedded in our moral code which stems from some holy scriptures of which nobody remembers who wrote them and under which motivation.

The truth is (s.a.) that our country, our religion, our language, our culture, our skin colour, our flag etc. is per definition right. Right? Well, not if you look at it from your neighbour’s perspective (the Russians, the Americans, the Chinese, the Hindus, the Muslims, you geddit…).

Which leads directly to Nietzsche who knew a thing or two about philosophy and religion. He most famously said that God is dead and try to prove him wrong. But the more interesting bit of his worldview is that humans in our age are just a transitional type, maybe replaced by some sort of Übermensch, a godlike creature who doesn’t need a moral code because he IS moral. Sure, just another concept but one which is to be found in most major religions and modern politics. Democracy and the fact (?) that God is in every creature, everywhere in nature is a hint.

Now, when you get somewhere and your fellow Germans ask you where you’re from we are back to stone age, then they may have  just killed the one entering their cave. These guys said they have nothing to hide, they are proud of their country (football etc.) and you immediately know that you/they are “right”. Wrong. If I were a terrorist I would carry a German passport and flag. Goddit?

If Nietzsche and some other great visionaries were right we will find that these divisions based on a particular moral are the real root of all evil, wars, destruction and suffering.

May take another 100.000 years. Until then let’s enjoy our false sense of security and the implied contradictions.

Danke, Schirrmacher! (2011)

R.I.P. Frank Schirrmacher
Zwei Konservative, die sich öffentlich am Kopf kratzen:

Frank Schirrmacher und Charles Moore.

http://www.telegraph.co.uk/news/politics/8655106/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html

Frank Schirrmacher ist so etwas wie Helmut Schmidt damals bei der SPD. Redlich, kompetent, logisch auch gegen sich selbst, aber beim falschen Verein. Nun, wer die FAZ verfolgt, erkennt schon einige Veränderungen hin zu vernünftigeren Einstellungen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber. Spät, aber das Leben geht auch nach dem Reset weiter.

Uns wurde der Neoliberalismus gepredigt, wir haben ihn gelebt, geatmet und gepriesen. Jetzt kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Notenbanken, die Verträge, bestehendes Recht, ungestraft brechen, Urkundenfälschung in Griechenland mit Hilfe von Goldman Sachs (keiner hat’s bemerkt), Stabilitätspakt pulverisiert, EU-Recht wird von Regierungen gebrochen (Schuldenübernahmeverbot Maastricht), Recht wird geschaffen ohne Zustimmung der Wahlberechtigen (Lissabon) und wer hat eigentlich entschieden, Banken zu retten, die sich mit CDS, CDO etc. verspekuliert haben?

Ja, Herr Schirrmacher, das Spiel läuft schon länger als 2008, aber jetzt kommt’s halt raus. Die Währungsreform ist wahrscheinlich im Kapitalismus unvermeidlich, das Gegenteil ist zumindest schwer zu beweisen, speziell was Prognosen angeht, weil diese bekanntlich die Zukunft betreffen.  Daraus abzuleiten, dass das System dysfunktional ist, wäre aber aus der Hüfte geschossen.

Realgüter bleiben Realgüter. Und die, die nur Arbeitnehmer sind und keine haben – selbst schuld. Müssen dann halt Bewerbungen schreiben, die Löhne, ja, die Löhne werden sinken müssen. Die Ländereien und Goldreserven werden jedenfalls nicht liquidiert, auch nicht, wenn sie mit öffentlichen Steuerzahlerrettungsbillionen finanziert wurden.

Es muss nicht gleich Rom brennen oder London. Es wäre schon ein guter Anfang, wenn die FDP bei der Rettungsschirmabstimmung im September diese Koalition hochgehen ließe. Ich würde sie dann sofort wählen.

Die Krankenkassen haben gerade 150.000 Pfändungen wegen nicht gezahlter Zusatzbeiträge angeleiert. Was wäre eigentlich, wenn Karl Steuerzahler, genau wie seine Regierungen und die Finanzjongleure,  einfach keine Steuern mehr zahlen würde bis dieses Durcheinander wieder aufgeräumt ist? Dumm nur, dass da die Arbeitgeber mitspielen müssen, die das Geld ja abführen.

Ach, alles Träumerei. Es kommt sowieso anders. Währungsreform, Aufwertung der D-Mark, Export bricht zusammen, Pleiten, 10 Mio. Arbeitslose. Da wird es eh weniger mit den Steuern. Vielleicht findet die Dannregierung ja einen Finanztrick mit einer Investmentbank, wie man das Regierungsviertel militärisch uneinnehmbar machen kann. Bis dahin haben wir die Finanz- und Machthydra (s. Dirk Müller: Crashkurs: Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? – Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen) infiltriert.

Und sind selbst zu Arschlöchern geworden.

Ich würde dann gerne mit Frank und Charles eine Tasse Tee trinken.

Nehmt mein Geld! Macht was! Am besten das, was Ihr versprochen habt! (2011)

Stefan Kornelius in der SZ über Reiche, die nicht mehr Steuern zahlen dürfen.
http://www.sueddeutsche.de/politik/wohlhabende-wollen-freiwillig-mehr-zahlen-reiche-schroepfen-frieden-schaffen-1.1137601

Tobias Kniebe in der SZ über George Clooney und wie er die politische Welt sieht.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/-filmfestspiele-venedig-clooneys-kampf-gegen-den-moralischen-weltgesamtbankrott-1.1137401

Levy, Westernhagen, Buffett. Alle wollen mehr zahlen, dürfen aber nicht. Den Letzteren halte ich für kommunismusunverdächtig. Das ist der, der jetzt mit Bill Gates und vielen Milliarden Gutes tut, seine Kinder quasi enterbt hat, nur eine Brille in seinem Leben besaß und mit einfältigen Anlagekonzepten reich wurde. Westernhagen kriegt wahrscheinlich keine Gigs mehr und will noch mal “Freiheit” in einem Stadion singen. Levy? Je ne sais pas.

Bei Buffett leuchtet mir die Argumentation am meisten ein. Er ist in Konsumwerten, u.a. Coca-Cola, investiert und sein Reich würde bröseln, würden die Paläste brennen. Der Kapitalismus scheint tatsächlich Selbstheilungskräfte zu haben, weil stets die Habsucht wieder den Weg weist. Habsucht will nicht ihre Basis,  die Ausbeutung, vernichten, sondern benutzen. Und wenn man es etwas überdreht hat, geht man wieder etwas auf die Bremse.

Ähnlich wie die Politik. Dort ist es aber die Geltungssucht, der Hunger nach Macht und Einfluss. Diese Macht ist aber nur temporär und wird im wesentlichen von den Vermögenden gekauft und auf Zeit an Marionetten verliehen. 1 Mrd. Dollar für den Präsidentenwahlkampf von Obama, so wird geschätzt. Als Aktionär von der Wall Street würde ich da auch die Choreographie bestimmen wollen. Welche Absprachen es mit all den Politclowns während ihrer aktiven Laufbahn gab, die sie sich anschliessend in der Wirtschaft vergolden lassen, kann nur geahnt werden.

Wenn Politik so schmutzig ist, wie Clooney es uns glauben machen will, sage ich nur “Bullshit.”. Sie ist viel schmutziger.

Direkte Demokratie mit interessierten Bürgern könnte dem begegnen. In Deutschland geht das bislang nur bei Bahnhöfen.

Und solange es Arbeitnehmer gibt, die für die vielen verbrecherischen Organisationen in der Finanzwelt, dem Marketing, der PR, der Politik und im öffentlichen Sektor, der Industrie und ich weiss nicht wo, arbeiten, wird auch das weiter gehen.

Soweit mir bekannt ist, gibt es auch dort keine Zwangsarbeit.

Kündigen ginge also.

Das Elend der Karrierefrauen (2011, aktuell)

…erklärt von Eva Buchhorn im KarriereSpiegel.
http://www.spiegel.de/karriere/karrierefrauen-nichts-wie-raus-a-782724.html

Abgesehen davon, dass diese Erkenntnisse genauso für Männer gelten, eine gelungene Analyse.

Es wird wirklich Zeit, zu hinterfragen, wozu große Organisationen eigentlich gut sein sollen, ob Hierarchien produktiv oder eher destruktiv sind, was eigentlich aus dem Leistungsprinzip geworden ist und ob es wahrscheinlicher ist, als fähiger Manager in den Vorstand zu gelangen oder einen 6er mit Superzahl zu tippen.

Daneben, wie es eigentlich sein kann, astronomische Gehälter zu bezahlen und welche Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten, respektive welcher Staat darunter besonders leidet.

Es gäbe noch so viele Fragen. Ich erwarte, dass die Intelligenten, so sie es nicht schon gemacht haben, dort in den Sack hauen und etwas Vernünftiges machen. Dann sind die Idioten wenigstens unter sich und dürfen die Läden unfreiwillig downsizen und in die Insolvenz führen.

Führungskräfte eben.