Nachruf (2009)

Ein kurzes aber erfülltes Leben, voller Glanz und Glamour, meistens entlang der Schienen der Achterbahn des Erfolges, selten entgleist, soviel Naivität, Größenwahn und Durchtriebenheit, verlogene Euphorie und Milliarden, die es galt umzubuchen, von deren Konto auf das der anderen mit bunten Bildchen, dünnen Parolen und völlig enthirnten Botschaften auf allen Kanälen.

Wetten, dass? Nein, die Rede ist vom Marketing. Jener Disziplin, die nie welche hatte, die immer nur an der Oberfläche kratzte und sich nur durch immer neue Begrifflichkeiten der Entlarvung solange entziehen konnte bis die Illusionsblase platzte.

Jetzt sterben die Tageszeitungen, die Programme in Funk und Fernsehen sind so dünn, dass man sie kaum noch von der Werbung unterscheiden kann. Dann sterben die Magazine, die Agenturen, die Berater, die Marketingabteilungen.

Vielleicht ist das gar nicht mal schlecht. Dann könnte man sich wieder damit beschäftigen, welche Produkte und Dienstleistungen man für welchen konkreten Bedarf entwickeln und verkaufen könnte.

Neulich beim Frisör: “Ihr Haar ist unsere Leidenschaft” sprang es mich vom Flyer an. Als Heterosexueller, der schon mal mit einer Frau unter einem Dach lebte, hat mich dieser Satz erschüttert. Männer haben, zumindest bis in ein bestimmtes Alter, deutlich mehr Haare als Frauen. Und deswegen auch deutlich mehr zu verlieren. Ebenso wie ihre naturgegebene gute Laune. “Da sind schon wieder Haare im Waschbecken!!!” Respektive in der Dusche oder der Badewanne. “Ja, Schnucki, soll ich mich jetzt auf dem Balkon rasieren oder aufhören zu duschen?” Schwer begreiflich, dass sich Frauen beim körperlichen Kontakt nicht gegen Haare schützen. Sei’s drum.

Bei diesem, wie bei den meisten andern Frisören, arbeiten meistens Frauen oder nichtheterosexuelle Männer. Die wollen mir erzählen, sie hätten eine “Leidenschaft für Haare”? Und morgen kommt der Weihnachtsmann. Eine Erfindung von Ogilvy & Mather, wie sich noch herausstellen wird.

Das finde ich total spannend

Cool war ja noch irgendwie cool.  Aber spannend?

Was ist das eigentlich, “spannend”?

Das Gegenteil von “entspannend”? Und wenn das so ist, warum wollen dann soviele “spannend”? Ist die Wellness-Wohlfühl-Entspannungswelle schon wieder vorbei? Oder will man heute gar beides, nur nicht zur selben Zeit?

Oder vielleicht im selben Glas, nur optisch getrennt, wie beim Latte Macchiato? Eimerweise lauwarme Milch mit dem ach so spannenden und gewissermaßen potentiell schädlichen, aber dennoch stimulierenden “shot of espresso”?

Was weiss ich denn. Es geht mir allerdings richtig auf den Sack, wenn jedes dritte Wort “spannend” ist. Nichts von dem, was mir in den letzten 5 Jahren unter diesem Label präsentiert wurde, fand ich persönlich spannend.

Vielleicht beschreibt dieser Wunsch, diese Projektion eher, den Schrei nach Erlösung aus dem ewig Gleichförmigen, dem Alltag. Finanzkrise, Politik, Medien, Marketinggeschwätz, Selbstüberhöhung, Stau und Gelaber.

Manchmal fühle ich mich auch wie gelähmt oder auch apathisch, bisweilen lethargisch und manch einer kennt auch das Gefühl ohne Rückgrat zu sein, eine eher entspannte fleischige Masse.

Aber es gibt sogar in einer Laberonlinewelt dolle Sachen, die man nicht gleich spannend finden muß.

Und sag jetzt bitte nicht “witzig”.

Winter, Kinder

Stets jedes Buch gelesen,
das schon gewesen
als es grad geschrieben ward.

Nie genesen von der Krankheit, die sich Wahrheit nennt,
die jeder kennt und doch nie traf,
die sich wie ein Hund freut, wenn Du heimkommst,
jeden Knochen liebt, den man ihr hinwirft
und doch nur eins will:

Spielen.

Vorsicht! Pflichtbewusster Hund!

So stand es an dem Gartentörchen. Wenn er so pflichtbewusst ist, warum sollten wir uns dann vorsehen? Früher habe ich Hunde beneidet, ein bisschen Männchen machen, aber keine Pflichten, Kost und Logis frei.

Nun das. Wehrpflicht, Bürgerpflicht, Führerscheinpflicht, Schneeräumpflicht und so weiter. Kampfhunde gibt es ja schon, aber unterliegen die auch der Wehrpflicht? Und ich müsste lange nachdenken, wann ich das letzte Mal einen Bobtail am Steuer sah. Ihrer Schneeräumpflicht kommen die meisten Hunde ja unaufgefordert nach, nachweislich dort, wo sie den Schnee in gelbe Flecken verwandelt haben.

Ein Hundeleben. Bleibt die Frage, ob der Hund das wirklich alles aus Pflichtbewusstsein tut oder damit ihm jemand die Dose aufmacht. Erste Interviews deuten darauf hin, dass es der Hund aus Pflichtgefühl tut. Wobei wir jetzt nur von den Interviews mit den Haltern berichten können.

Dass Hunde ganz generell ein Bewusstsein haben, wissen wir seit Lassie. Es ist natürlich Voraussetzung für die Meditation, die wir bei Hunden oft beobachten können. Fernsehmeditation, wenn Dein treuester Freund alles um sich herum vergisst oder auch die Introspektion, die oft für Schlaf gehalten wird.

Es bleibt der Verdacht, dass der Schöpfer des Schildes seinem Hund zu viel zutraut und glaubt, dass dies Bösewichter nachhaltig beeindrucken würde.

Wie wäre es denn mit einem anderen, wirklich furchteinflößenden Slogan:

“Ich bin ein Tier und habe keine Ahnung, wozu ich als nächstes fähig bin. Mein Herrchen habe ich schon oft gebissen. Komm rein.”