Über Über Macht

Hier geht es um Macht. Ein Phänomen, das so wenig greifbar ist wie eine Ohrenqualle, so unerforscht wie Teile Brandenburgs, so unerklärlich wie ein Stau und so gefährlich wie Carsten Maschmeyer.

Wir werden versuchen, das Phänomen aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten, zu verstehen, was man mit Macht anstellen kann, die schlimmsten Auswirkungen beschreiben und auch das Gegenteil: die Machtlosigkeit.

Ende Gelände – Bitte alle aussteigen (2011)

Wer glaubt, dass unsere Politiker die Mathematik bezwingen können? Zweitgrößter Posten im Haushalt: Zinsen, ca. 40 Mrd., exponentiell steigend wg. Zinseszins. Die Rettung des Euros kommt laut “Experten” noch mal mit ca. 40 Mrd. pro Jahr hinzu, kann aber die Insolvenz hochverschuldeter und nicht leistungsfähiger Staaten nicht verhindern, bestenfalls verzögern, weil die auf dem Zinseszinszeitstrahl noch weiter fortgeschritten sind.

Glaubte ich an den Weihnachtsmann, würde ich es auch für möglich halten, dass Deutschland seine 2 Billionen, die USA ihre 14 Billionen zurückzahlen können. Warum spricht eigentlich niemand mehr von den 200 Mrd. Euro deutschen Schulden, die in diesem Jahr neu aufgetaucht sind? Am Parlament durch einen Schattenhaushalt vorbeijongliert, da stecken HRE, Commerzbank, IKB und andere Koryphäen dahinter. Selbst Deutschland muss ca. 30 Mrd. Euro neu aufnehmen. Und das in einer Wirtschaftswunderzeit.

Die Deutsche Bank hat die Regierungen beim Griechenlandpaket beraten. Die Anleihen hatten zu diesem Zeitpunkt 50 % ihres Nennwertes eingebüßt. Herr Ackermann riet dazu, dass diese mit einem 20 %igen Abschlag umgetauscht werden in neue Anleihen mit einer Garantie der EU. Das hätte ich auch gemacht.

Herr Ackermann berät die europäischen Regierungen bei der Schuldenkrise. Was aussieht wie ein Interessenkonflikt macht durchaus Sinn, für die Deutsche Bank, die eben jene, wenn auch lange nicht mehr so viele, Staatsanleihen von Wackelkandidaten hält. Durch den massiven Verkauf solcher Papiere haben die Deutsche Bank und andere Institute die Krise beschleunigt.

Das ist der Trick, den auch alle anderen Finanzmarktteilnehmer gerne anwenden, Kurse runterprügeln und dann Hilfe rufen. Was macht man, wenn man es mit Geschäftspartnern zu tun hat, die solche unseriösen Praktiken anwenden? Ich beende mein Engagement dort.

Das ist die größte Angst der Regierenden, Mächtigen und der Finanzmarktplayer, dass wir morgen am Schalter stehen und unser Geld zurück wollen. Dabei ist es nur klug, das zu tun, solange es noch nicht nach oben umverteilt ist. Der Reset muss kommen, das wissen auch die Mächtigen. Deshalb versuchen sie Zeit zu gewinnen und Kapital in Realgüter zu stecken.

Die schlechte Nachricht: Alles wird weniger, die Lebensversicherung, der Sparvertrag, die Rente etc.. Aber so ist das bei einer Währungsreform. Mit jedem Tag warten wird es noch weniger. Unsere Realwirtschaft ist doch gut in Form, also keine Bange.

Harald Schumann über Rohstoffspekulation (2011)

Im Tagesspiegel.

Was dieser Mann über Globalisierung recherchiert und formuliert hat, übertrifft in der Qualität alles, was man öffentlich von Politikern, Wirtschaftsvertretern und in den Medien hört. Er ist kein “gelernter Ökonom” und ihn als “Experte” zu bezeichnen, wäre eine Abwertung. Er besitzt die Gabe, komplizierte Zusammenhänge ganzheitlich zu sehen und nachvollziehbar aufzubereiten. Was fehlt, sind immer noch Leute, die das lesen, zuhören, verstehen und handeln.

Wie in einem Kommentar angedeutet, ließe sich der empirische Beweis, dass die Preise durch Spekulation hochgetrieben werden, leicht erbringen. Es würde genügen, alle Marktteilnehmer, die nicht nachweislich produzieren oder verarbeiten, vom Handel in Chicago für ein Jahr auszuschliessen. Nach diesem Jahr gibt man ihnen ihr Geld zurück, basierend auf den dann gültigen Marktpreisen. Das mit einem Monat Vorlauf angekündigt und alle Nahrungsmittel würden am nächsten Tag zu historischen Tiefstpreisen zu bekommen sein.

In diesem Zusammenhang denke ich auch darüber nach, das komplette Politpersonal in Europa auszutauschen, Verbot von Lobbyismus inclusive.

Sarkozy, der alte Instinktpolitiker, überrascht mich mehr und mehr. Lybien war richtig, Cameron zusammenfalten nötig, Berlusconi treten hervorragend und jetzt will er das Nahrungsding noch richten. Merveilleux.

Die anderen können nach Hause gehen, Juncker kann mit Ackermann 17 und 4 spielen, Aigner kommt in eine fingierte Politikertherapietalkshow, Merkel darf ab heute alles allein, aber nur mit Bundestagszweidrittelmehrheit, entscheiden und das Bundesverfassungsgericht tritt 2012 als Partei an, die ich wählen werde.

Die machen doch sowieso schon die ganze Arbeit.

Der Goldene Schuss? (2009)

Gabor Steingart sagt Dinge, für die man ihn teeren und federn wird. Die Sache mit der Beinaheverdreifachung der Dollargeldmenge in 10 Jahren und die Geheimhaltung dieser Zahl, trieb mir den Schrecken in die Glieder. Das, was in Europa, in der EZB, der heilige Gral der Geldpolitik ist und total transparent, ist in den USA geheim. Wir wissen jetzt, warum.

Er wird nicht nur von den Zweckoptimisten geteert werden, sondern von allen, die ursächlich zur Kollision des Tankers mit dem weithin sichtbaren Eisberg beigetragen haben.

Auch von Politikern, die zu wenig Wirtschaftssachverstand haben, um eine erfolgreiche Balance zwischen Freiheit der Wirtschaftsteilnehmer und notwendiger Überwachung zu finden, allen Wirtschaftsauguren, die mit ihren versagenden Modellrechnungen es nicht haben kommen sehen, von kriminellen Bankern einmal abgesehen und natürlich uns allen, die wir in blinder Gier an magische Wohlstandsvermehrung glaubten.

Es war nur eine Geldvermehrung. Und sie geht weiter.

Ein langer Winter (2008)

Gehe ich so am gewöhnlich hellgrauen Strand entlang, denke ich darüber nach, ein Langlaufcenter zu eröffnen. Eis und Schnee soweit das Auge reicht. Nicht unähnlich der wirtschaftlichen Situation. Man tröstet sich, daheim sei es ja warm und die Branche, in der man arbeitet nicht betroffen oder man hat ohnehin kein Problem, weil das Auskommen sicher zu sein scheint. Na dann hätten wir ja wieder nichts gelernt. Es steht zu befürchten, andere sagen, es sei zu hoffen, dass der Kollaps erst noch bevorstünde. Wie auch immer, solange Oli Kahn bei Maybrit Illner noch die Chance hat, Motivationsphrasen zu dreschen, die in den 90ern schon alt waren, können wir mit Fug und Recht sagen, dass es erstens noch nicht so schlimm ist, wir zweitens nicht viel dazu gelernt haben und drittens der Vogel Strauß sich schließlich auch erfolgreich auf diese Art ausgeblendet hat.

Warten. Auf den Knall. Und dann? Oder beten, dass es woanders einschlägt, St. Floriansprinzip. Die organisierte Religiösität wird Zulauf haben und die organisierte Dämlichkeit auch. Die Extremisten sind in Partylaune. Rechts, links, Nazis und Kommunisten wittern fette Beute.

Aber statt wirklich in die Frage einzutauchen, wie das passieren konnte, sind die Sündenböcke schnell gefunden, Banker, Unternehmer etc.. Es gibt den Primat der Politik, jetzt hat die Politik die Chance, die Dinge zu wenden. Die wir alle versiebt haben, inklusive der Politiker und Banker, aber auch wir mit unserer Gier, der Illusion von Sicherheit, endlosem Wachstum und Wohlstand basierend auf einer schuldenfinanzierten Weltwirtschaft, die Geld aus dem Nichts in ungeheurer Geschwindigkeit und ohne realen Gegenwert geschaffen hat. Ähnlich wie ein Soufflee durch Hitze immer voluminöser wird und dann schlagartig zusammenfällt, heisse Luft.

Dieses Soufflee konnte nur deswegen für ein massives Nahrungsmittel gehalten werden, weil durch das System der Noten- und Geschäftsbanken, durch Verschuldung immer neue heisse Luft produziert wurde. Wenn sich der Staat bei einer Notenbank über Anleihen verschuldet, tut er nichts weiter als zu versprechen, dass seine Steuerzahler, auch kommende Generationen, das zurückzahlen werden. Die Geschäftsbanken können wiederum bei einer Mindestreserve von 10 % 90 % des Geldes wieder verleihen gegen Zinsen, noch mehr Geld wird produziert ohne realen Gegenwert. Die Federal Reverve ist eine private Institution, nicht staatlich kontrolliert und steht unter dem Einfluss der großen Geschäftsbanken der USA. Stimmt nicht, höre ich sie schreien, aber macht es wirklich Sinn, diejenigen im Board of Governors zu haben, noch dazu auf 14 Jahre gewählt, die eigentlich im Zaum gehalten werden sollen, die privaten Banken? Dass der Präsident diese ernennt, hat noch einen makabren Beigeschmack. Durch Ernennen dieser Leute kann er sich ohne weiteres noch Einfluss auf die Geldpolitik nach seiner Amtszeit, nach der Regierungszeit seiner Partei verschaffen. Die Verfassung der Fed ist kompliziert, intransparent, der Kontrolleur ist der zu Kontrollierende und die 14 Unterorganisationen treffen sich alle 6 Wochen. Ist das immer noch so? In 6 Wochen können die USA und einige nicht unwesentliche Teile der Welt pleite sein. Nicht dass das so furchtbar wäre. Man sagt ja auch, ein Unternehmer, der noch nie eine Insolvenz erlebt habe, sei noch im Laufstall.

Geht man eine Sekunde davon aus, dass die USA vor allem durch ihre knallharte Interessenpolitik zu dieser Machtfülle gelangt sind, stellt sich die Frage, wer eigentlich ein Interesse daran hat, dass das Soufflee zusammenstürzt. Ist es am Ende nicht die USA als Land oder Regierung, sondern vielleicht die Wirtschaft, genauer gesagt der Finanzsektor, der das vielleicht im Rückspiegel als “notwendige Korrektur” verkaufen wird? Wie an der Börse üblich? Aber wer hat das Soufflee in den Ofen geschoben? Und haben die rechtzeitig verkauft?
Egal wieviel heisse Luft noch entweicht, es könnte ein sehr langer Winter werden. Ich habe schon mal Langlaufskier gegoogelt.